Interleukin-6: das Signalmolekül an der Spitze der Kaskade
Interleukin-6 ist ein Zytokin, das Zellen in den ersten Stunden einer Entzündung freisetzen: Es weist die Leber an, Akute-Phase-Proteine zu bilden — CRP und Fibrinogen. Es steigt vor allen anderen Markern und verschwindet ebenso früh, daher ist eine einzelne Messung eine Frage des Zeitpunkts: Einen Tag später sieht das Bild anders aus.
Die klinische Nische von Interleukin-6 ist die Beurteilung der Entzündungsaktivität in schwierigen Fällen: Systemerkrankungen, Überwachung schwerer Zustände, Forschungsfragen. Für die Alltagsfrage „Gibt es eine Entzündung?“ wird es nicht angeordnet — das CRP genügt.
CRP und BSG: die schnelle und die langsame Antwort
Das C-reaktive Protein ist ein direktes Produkt des Entzündungssignals: Die Leber setzt es innerhalb von Stunden frei, und wenn der Prozess abklingt, normalisiert es sich schnell. Die BSG — Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit — verändert sich indirekt über die Zusammensetzung der Plasmaeiweiße, steigt daher später und bleibt länger. Daraus folgt die klassische Abweichung: Eine frische Entzündung gibt ein hohes CRP bei noch normaler BSG, eine abklingende das Umgekehrte.
Die BSG hat mehr Störfaktoren: Anämie, Schwangerschaft, Alter und erhöhtes Fibrinogen jeder Herkunft erhöhen sie. Das Paar liest sich so: Das CRP betrifft die Entzündung hier und jetzt, die BSG den gemittelten Hintergrund der letzten Tage bis Wochen, mit einer Korrektur für das Blut selbst.
Fibrinogen: der Doppelagent
Fibrinogen ist das wichtigste Gerinnungseiweiß und zugleich ein Akute-Phase-Protein: Bei Entzündung steigert die Leber seine Bildung. Im Befund erscheint es daher doppelt: im Gerinnungsprofil als Gerinnungsfaktor und im Entzündungsprofil als Marker. Hohes Fibrinogen im Paar mit hohem CRP ist die typische Signatur einer systemischen Entzündungsreaktion.
Eine Nebenwirkung des Fibrinogens ist ein Anstieg der BSG: Sein Überschuss lässt rote Blutkörperchen sich zu Säulen stapeln und schneller absinken. Das ist eine weitere Erklärung für Abweichungen innerhalb des Profils: Eine Ursache zieht gleich mehrere Zeilen.
Procalcitonin: die bakterielle Spur
Procalcitonin ist die Vorstufe des Hormons Calcitonin, die Zellen im ganzen Körper bei einer bakteriellen systemischen Infektion zu bilden beginnen. Seine Besonderheit ist die relative Spezifität für bakterielle systemische Entzündungen: Bei Virusinfektionen und lokalen Prozessen steigt es nur schwach. Das macht es zum Instrument für eine konkrete Frage — wie wahrscheinlich eine schwere bakterielle Infektion ist.
In der ambulanten Praxis wird Procalcitonin mit Bedacht eingesetzt: Es ersetzt weder Untersuchung noch Mikrobiologie, hilft aber in der Grauzone — etwa bei anhaltendem Fieber unklarer Ursache. Der Spiegel wird im Verlauf gelesen: Anstieg und Abfall sagen mehr als eine einzelne Zahl.
Warum Entzündungsmarker nicht übereinstimmen
- Unterschiedliche Geschwindigkeit: Interleukin-6 und CRP sind schnell, die BSG ist langsam
- Unterschiedliche Spezifität: Procalcitonin neigt zur bakteriellen Reaktion
- Äußere Störfaktoren: Anämie und Schwangerschaft erhöhen die BSG
- Stadium des Prozesses: Beginn, Höhepunkt und Abklingen ergeben unterschiedliche Kombinationen
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Häufige Fragen
Welcher Entzündungsmarker ist der genaueste?
CRP normal, aber BSG hoch — wie geht das?
Procalcitonin ist hoch — ist das eine Sepsis?
Warum Interleukin-6, wenn es das CRP gibt?
Kann man Marker während einer Erkältung abnehmen?
Fibrinogen ist hoch — Gerinnung oder Entzündung?
Quellen
- C-reactive protein: MedlinePlus Medical Encyclopedia — MedlinePlus, US National Library of Medicine. Abgerufen: 30. August 2026.
- Interleukin-6: Lab Tests Online — Testing.com (AACC). Abgerufen: 31. August 2026.
- Procalcitonin Test: MedlinePlus Medical Test — MedlinePlus, US National Library of Medicine. Abgerufen: 31. August 2026.